Eine Patientenverfügung ist keine Frage des Alters – sie ist für jeden wichtig

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Die wenigsten Menschen möchten sich in jungen Jahren oder im mittleren Alter, wenn es ihnen gesundheitlich gut geht und sie sich fit fühlen, mit einer Patientenverfügung beschäftigen. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein wichtiges Dokument, von dessen Existenz maßgeblich abhängt, welche Befugnisse Ärzte haben, wenn Sie in eine lebensbedrohliche Situation geraten und zeitweilig oder dauerhaft nicht mehr entscheidungsfähig sind.

Der Zweck einer Patientenverfügung

Vielleicht haben Sie bereits eine ungefähre Vorstellung davon, was passieren soll, wenn Sie infolge Ihres Alters, aufgrund einer Krankheit oder wegen eines Unfalls nicht mehr in der Lage sind, selbstständig Entscheidungen in Bezug auf medizinische Behandlungen zu treffen. Das sind die Gedanken, die Sie zu Papier bringen sollten, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Das gilt für Menschen aller Altersgruppen. Denn jeder kann in die Situation kommen, aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr entscheidungsfähig zu sein. Vielleicht befinden Sie sich im Endstadium einer unheilbaren Krankheit, liegen im Wachkoma oder haben infolge eines Unfalls oder Schlaganfalls Gehirnschädigungen erlitten. Auch eine fortschreitende Demenzerkrankung ist beispielhaft für solche Ausnahmesituationen, in denen eine Patientenverfügung angeraten ist.

Der Inhalt einer Patientenverfügung

Kerstin_Machwitz“Das Problem ist”, erklärt Kerstin Machwitz, die Agenturleiterin der Pflegehelden OWL, “dass manche Verfügungen zu ungenau formuliert sind, weil eine konkrete Benennung medizinischer Maßnahmen fehlt”. So wundert es nicht, dass die Inhalte von Patientenverfügungen oftmals Gegenstand von Entscheidungen des Bundesgerichtshofes (BGH) sind. Nach Auffassung des BGH ist eine Patientenverfügung hinreichend bestimmt, wenn die Behandlungssituationen darin konkret benannt sind, für die die Verfügung gelten soll. Noch eindeutiger ist die Rechtslage, wenn die Maßnahmen konkret benannt werden, die vom Patienten nicht gewollt und die erlaubt sind. Das bedeutet, dass es nicht ausreicht, wenn Sie in einer Patientenverfügung mitteilen, dass Sie in Würde sterben möchten. Es reicht auch nicht aus, wenn Sie formulieren, dass Sie keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünschen. Grundsätzlich sind Ärzte an den in einer Patientenverfügung formulierten Willen gebunden.

 

 

Pflegehelden-Patientenverfügung

Vergessen Sie nicht, in einer Patientenverfügung auf weitere vorhandene Vollmachten hinzuweisen, zum Beispiel auf eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang, dass Ehepartner, Lebenspartner oder Kinder nicht automatisch bevollmächtigt sind, Entscheidungen für Sie zu treffen, wenn Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind. Auch dazu braucht es konkrete Angaben.

Eine Patientenverfügung aufsetzen

Sie können eine Patientenverfügung selbst erstellen. Im Internet finden Sie zahlreiche Vorlagen. Eine verlässliche Quelle sind die Webseiten des Bundesministeriums für Gesundheit, wo Sie unter https://www.bundesgesundheitsministerium.de/patientenverfuegung.html  weitere Informationen über die Patientenverfügung und auch einzelne Textbausteine als Formulierungshilfe finden. Lassen Sie sich bezüglich der genauen Inhalte von fachkundigen Personen beraten. Es gibt spezielle Dienstleister, zum Beispiel Pflegedienste, Seniorenberater und Rechtsanwälte, die Sie beraten und auch bei den Formulierungen helfen. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt und fragen Sie ihn, ob alle wichtigen Punkte in Ihrer Patientenverfügung enthalten sind. Mit seiner Unterschrift bestätigt er, dass Sie im Zeitpunkt der Abfassung im Vollbesitz Ihrer geistigen Kräfte waren.

“Sie sollten”, so Kerstin Machwitz, die Leiterin der Pflegehelden OWL, “Ihre Patientenverfügung regelmäßig prüfen und bei Bedarf aktualisieren. Empfehlenswert ist ein Rhythmus von zwei Jahren, nach denen Sie sich immer wieder überlegen, ob die von Ihnen in der Patientenverfügung genannten Maßnahmen noch immer in dieser Form aktuell sind. Sofern Sie Änderungen vornehmen, bestätigen Sie diese jedes Mal mit Ihrer Unterschrift und dem Datum.”

Weitere Informationen z.B. bei www.pflegehelden-owl.de

Dies ist ein Beitrag aus unserem Pflege-Ratgeber für OWL. Den vollständigen Ratgeber für OWL als PDF können Sie hier herunterladen: Pflege-Ratgeber für OWL

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